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Eintrag
KK,
15 Dezember 2008
China,
Changchun
Mai - Yunnan-Trip mit Hochzeit
Ein befreundetes, chinesisches Pärchen hatte für Mai die Hochzeit geplant. Sie stammt aus Seping, einem Ort zwischen Changchun und Shenyang; Er kommt aus Kunming, der Haupstadt der Provinz Yunnan, wo ich zusammen mit Barbara vor 12 Jahren schon mal gewesen bin, als ich mein Praxisemester mit einer Reise in diese schöne Gegend gekrönt habe. Die Stadt liegt auf einer Art Hochebene, bereits ca. 2000m über dem Meer. Die Einladung zum großen Event haben wir gerne angenommen und natürlich ein paar Urlaubstage drangehängt, um von der schönen Provinz mehr kennenlernen zu können. Auch Kunming mal wiederzusehen und die Auswirkungen des chinesischen Wirtschaftswunders im direkten Vergleich sehen zu können, erschien uns sehr reizvoll.
Tickets gebucht und los gings über Beijing in den Südwesten. Am Flughafen wurden wir bereits von Wei Wei (Braut) und Yang Yang (Bräutigam) erwartet und nach einer kurzen Vorstellungsrunde bei Yang Yang´s Eltern ins Hotel gebracht. Dieses Hotel glich allerdings eher dem Petersdom in Rom, als einer Unterkunft in einer Provinzhauptstadt. Dem Vorabend des Großereignisses haben wir dann gemeinsam mit unseren Freunden und deren Verwandten verbracht, wobei wir an einigen Traditionen teilhaben konnten. Die Kinder mußten beispielsweise auf dem vorbereiteten Ehebett kräftig herumhüpfen und für eine gute (fruchtbare) Zukunft der werdenden Eheleute sorgen 
Am nächsten Morgen wurden wir früh abgeholt und es ging zusammen mit dem Bräutigam auf Brautsuche. Die Braut muß nämlich erstmal gesucht, gefunden und von den Qualitäten des Werbenden überzeugt werden. So also begab sich ein Teil der schon angereisten Hochzeitsgesellschaft, angeführt von YangYang per Autokorso auf die Suche nach WeiWei. Nach einigen minder-erfolgreichen Versuchen spürte die Nase des Werbers die Angebetete im haus von Freunden auf, wo das nächste Problem zu lösen war – die Braut mußte ihre von innen verschlossene Türe öffnen. Ein Liebeslied brachte das „kalte“ Herz WeiWei´s endlich zum Erweichen und sie öffnete die Türe, um eine weitere Aufgabe zu offenbaren: Die Brautschuhe mußten gefunden werden, damit die Prinzessin ja nicht den besudelten Boden berühre... Mit Bravour und Sicherheit überwand YangYang auch diese Hürde und half seiner Zukünftigen auf die Beine. Nach einer Essenspause und kleineren wohl traditionellen Zeremonien, wie des gegenseitigen Fütterns mit einer speziellen Suppe, ging es auf einen Foto-Shooting-Marathon von Location zu Location. Das Brautpaar war eigentlich nicht mehr wirklich zu beneiden 
Am frühen Abend kehrten wir dann im Hotel mit dem angemieteten Hochzeitssaal ein und warteten auf die Gäste. Natürlich war das Brautpaar die meiste Zeit damit beschäftigt, die über 400 Gäste zu empfangen und zu gebührend begrüßen. Nachdem der Saal von und die Tische alle besetzt waren, zog das Brautpaar, begleitet von zwei blonden Kindern, in den perfekt dekorierten Raum ein, um alsbald die Zeremonien zu starten. Ein Moderator nahm die Beiden in Emfang und stellte sie der Gesellschaft zunächst ausführlich vor. Beide erhielten auch das Wort und durften etwas zu ihrem Vorhaben sagen. Anders als bei uns ist die staatliche, offizielle Hochzeit bereits einige Wochen vorher geschehen, was eigentlich nur ein schmuckloser, bürokratischer Akt ist, dem keine besondere Beachtung geschenkt wird. Es folgten einige Aktivitäten, wie z.B. gemeinsam eine Sekt-Pyramide befüllen und Frage-Antwort-spielchen und Reden der Eltern. Während der ganzen Zeit wurde selbstverständlich gegessen und getrunken. Nach der Bühnenshow wechselte die Braut kurz die Klleidung und schlüpfte in den traditionellen, Qípáo-Kleid. Darauf folgte dann die persönliche Begrüßung der Gästa an den einzelnen Tischen – mit jedem Gast wird ein Glas getrunken und Zigaretten angeboten. Die Braut muß gute Hausfrauen-Kompetenz beweisen und versuchen dem Gast die Zigarette zu entzünden, was man der Dame logischerweise nicht so einfach macht. Ein Spass, an dem die meisten Herren viel Freude haben. Bei den 400 Gästen dauerte dieser Reigen entsprechnd lange und als alle durch waren, machten sich die ersten Leute bereits wieder auf den Heimweg. Rund 3 Stunden nach Begin neigte sich die ganze Veranstaltung dem Ende zu. Das geht immer ganz fix und überrascht mich jedesmal aufs neue – aber auch schon nach solch kurzer Zeit kann man ausreichend betrunken sein. Beschleuniger, wie zum Beispiel BaiJu (der vor allem im Norden beliebte und weit verbreitete „weiße Wein“) helfen diesbezüglich sehr, auch die Ausdauerfähigkeit der Langnasen auf die Probe zu stellen. Kollegen nannten diesen >50%-Schnaps bereits „auf Flaschen gezogenes Sodbrennen“... in unseren Breitengraden werden die kostengünstigeren Produkter kleiner Destillen auch gerne als Frostschutzmittel für die Scheibenwaschanlagen der Autos verwendet. In manchen Taxis kann man sich allerdings nicht so sicher sein, ob die feine Note in der Luft von der Scheibenreinigung oder vom Odem des Taxifahrers herrührt :-/
Kunming – Minoritätenpark
Am Tag darauf, nachdem alle wieder frisch waren, haben wir uns die Umgebung von Kunming etwas näher angeschaut und sind in den Minoritäten-Park angesachaut. Dort hat jede in China ansässige Volks-Minerheit einen eigenen Platz, an dem die Besonderheiten der jeweligen Volksgruppe präsentiert werden können, was insgesammt ein sehr farbenfrohes Bild ergibt. Es gibt derzeit 56 anerkannte Minoritäten in China. Diese erhalten sogar Sonderrechte wie z.B. die Erlaubnis mehr als ein Kind bekommen zu dürfen. 90% der chinesischen Minderheiten sind in der Yunnan-Provinz ansässig; Trachten gehören bei alteren Leuten immer noch zur normalen Kleidung und zur gelebten Identität, so daß man im Straßenbild tatsächlich die Zugehörigkeit erkennen kann – sofern man die Tracht einer Gruppe zuordnen kann.
Dali
Mit dem Nachtzug haben wir uns zusammen mit unseren Freunden auf die Reise in die etwas nördlicher gelegene Stadt Dali gemacht, in der YangYang weitere Verwandschaft besuchen wollte. Dali hat eine neue und eine historische Stadt, in der ein buntes, touristisch geprägtes Treiben der dort beheimateten Bai-Minderheit herrscht. Eine umlaufende Stadtmauer, Große Stadttore und offene Verkaufsstände, in denen unter anderem auch als Bai verkleidete Han-Chinesen (90% aller Chinesen gehören zu den Han) ihre Waren feilbieten, geben dem Städchen Gesicht. Sehr bekannt sind auch die am großen See gelegenen 3 Pagoden, die ein sehr schönes Bild abgeben. In der kleineren Nachbildung hatten wir die Szene schon im Minoritätenpark in Kunming bewundert. Das Original haben wir dann nur noch in der Vorbeifahrt gesehen.
LiJiang
Mit einem kleinen Überlandbus haben wir uns ohne unsere Freunde auf den Weg nach LiJiang, ebenfalls eine Stadt mit historischem, alten Stadtkern (anerkanntes Weltkulturerbe!) im Norden von Yunnan, gemacht. Das besonders bei Rucksacktouristen beliebte Ziel auf 2413m Höhe bietet eine unvergleichlich angenehme Atmosphäre. Obwohl auch diese Stadt sehr vom Tourismus und den damit verbundenen Auswüchsen unzähliger Verkaufsstände geprägt ist, hat man doch den Charme des Altstadt-Labyrinths aus kleinen, engen Gassen erhalten können. Autoverkehr ist dort z.B. nicht erlaubt. Die Wasserversorgung der Einwohner wurde durch ein ausgeklügltes System von offenen Kanälen erreicht, die ebenfalls eine Besonderheit der Stadt darstellen. An Abend erzeugt die gedämpfte Aussen-Beleuchtung eine einzigartige Stimmung, von der auch die unsere Kinder begeistert waren. Mitten in diesem Häuser-Labyrinth kamen wir in einer kleine Herberge unter, die einfach, aber sauber war und von sehr netten Naxi-Chinesen (sprich: Naaschi) geführt wurde. Von einer Dachterasse hatten wir einen tollen Blick über die ganze Altstadt und klare Sicht bis zum nahegelegenen Snow-Mountain.
Ausritt
Unsere Herbergseltern verdienten sich gerne etwas hinzu, indem sie Ausflüge und Touren in die reizvolle Umgebung organisierten. Zunächst haben wir eine Hochebene mit See angesteuert, wo man Ausritte auf Pferden oder Kanu-Touren machen konnte. Allein die Fahrt dorthin war es wert, da man etwas mehr von der Landschaft und den kleineren Dörfern sieht. Zudem unterhielt uns unsere Begleitung mit Liedern in den verschiedenen Sprachen der ansäßigen Minoritäten-Stämme. Sie wiederum war sehr begeistert vom musikalischen Talent unserer beiden Lütten, die ja auch schon das eine oder andere chinesische Lied beherrschten und gerne vortrugen...
Der Ausritt selber war geführt und ein wenig kurz geraten, aber die Kinder hatten Spass. Ich, der eigentlich das erste Mal länger auf so einem Hafermotor gesessen hat, auch - mein Pferd dagegen bestimmt weniger. Ein unerfahrener Reiter, der dreistellige Zahlen auf die Waage zaubert, ist bestimmt kein wirklich angenehmer Reisegast. Trotzdem hat mich das liebe Tier ohne Klage den ganzen weg getragen.
Yangze-Fluß
Am folgenden Tag hatten wir uns mit meinem Kollegen Chrit und seiner Freundin Tao verabredet, die derzeit auch in Yunnan unterwegs waren und Mario, seinem Besuch aus Holland ein Stück China zeigen wollten. Über unsere Herberge hatten wir eine Tagestour zum Yangze-Fluß organisiert. Die bekannte, erste Flußbiegung auf Chinesischem Boden und die Tiger-Sprung-Schlucht standen auf dem Plan. Der ganze Tag war von phantastischen Landschaftseindrücken geprägt und die Bilder sprechen eigentlich für sich.
Die Yangze-Schlaufe ist ein beliebtes Ziel, vor allen bei Chinesen. Der Ort hat zudem noch historische Bedeutung, weil Mao hier irgendetwas gemacht hat. Jedenfalls hat man auch ein Museum hier in die Landschaft gepflanzt. Der Fluß kommt geradewegs aus dem Quellgebiet in Tibet und macht hier eine erste Kehre. Wir haben hier kurz Rast gemacht, ein paar Fotos geschossen und weiter ging es zur Tiger-Leaping-Gorge, einer Schlucht, die ebenfalls vom Yangze in den Fels gefressen wurde. Die Fahrt in die Berge gestaltete sich abenteuerlicher als erwartet. Wir mußten unser Fahrzeug wechseln, da die engen Bergstraßen zu eng für unseren Van wurden. Dann ging es ganz oft hart am Abgrund vorbei immer höher hinaus; links Fels – rechts ganz viel Nichts. Oben, an der Stelle angekommen, an der Sage nach ein Tiger über den Yangze gesprungen ist, warten imposante Felsformationen mit einem beeindruckenden Blick in den Abgrund bis zum Wasser auf uns. Wir erfuhren, daß man über einen Trail sogar bis zum Fluß heruntersteigen konnte – diese Herausforderung nahmen wir gerne an. Chrit, Tao, Mario, Klaus und... Leonie machten sich auf den Weg; Barbara blieb mit Franzi oben. Zwischendurch kamen uns wiederholt Chinesische Touri´s schnaufend auf Stöckelschuhen entgegen. Das erweckte den Eindruck, daß es eigentlich nicht so ein schwieriger Klettersteig sein konnte. Weit gefehlt – für Ungeübte wie uns war es tatsächlich doch eine Herausforderung mit einigen kritischen Stellen. Tao und Chrit entschieden sich auch kurz drauf auch für die Umkehr – Mario, Leonie und mich hatte der Ehrgeiz gepackt und wir sind mit zitternden Beinen und glücklich am tosenden Wasser unten angelangt. Die Gedanken an den Aufstieg haben wir einfach weggedrängt und die Natur auf uns wirken lassen. Man fühlt sich sehr, sehr klein an solchen Orten.
Der Aufstieg war auch schön, aber lang und anstrengend. Ich glaube bis heute nicht, daß es die Stöckelschuhe bis hier unten geschafft hatten. Wir haben uns entsprechend Zeit gelassen und dennoch die offizielle 90min-Vorgabe deutlich unterboten. Nach einer knappen Stunde bergan kamen die beiden Herren mit einer überglücklichen Leonie wieder am Ausgangspunkt an.
Nach diesem beeindruckenden Erlebnis ging es wieder Richtung Lijiang zurück und der Tag wurde mit einem verdienten Abendessen in einem Tibetischen Restaurant in der Altstadt gekrönt.
Kunming 2
Mit einem riesigen Reisebus, der mit dem Komfort der Businessklasse im Flugzeug locker mithalten konnte, ging es tags drauf auf Rückreise nach Kunming. Schöne Eindrücke von der vorbeifliegenden Landschaft mit Bergen, Ebenen, Dörfern und Reisfeldern bleiben in guter Erinnerung.
Zurück in Yunnans Hauptstadt versuchten Barbara und ich Dinge zu entdecken, die uns noch bekannt vorkamen und 1996 schon das Stadtbild geprägt hatten. Wir haben einen See und einen Tempel gefunden, die sich wenig verändert hatten. Das eigentliche Erscheinungsbild Kunmings hat sich dagegen völlig verändert. Ich habe diese Stadt nicht wiedererkannt; offensichtlich wurde das Zentrum gänzlich neugestaltet, das uns bekannte und gut in Erinnerung gebliebene gab es nicht mehr.
Beijing Dreams
Später trafen wir wieder unser frisch verheiratetes Pärchen, mit denen wir gemeinsam weiter nach Peking flogen, wo wir einen weiteren Tag in der Metropole verbrachten und die beiden Freunde ein paar Bekannte besuchen wollten. Beijing befand sich noch mitten in den Vorbereitungen für die Olympiade. Viele Stimmen sagten, daß die Stadt noch nie so sauber und aufgeräumt war, wie zu diesem Zeitpunkt. Zudem waren weniger Touristen, als sonst zu sehen – wohl die Ruhe vor dem Sturm. Netativ fiel auf, daß die Kontroll- und Sicherheitsmaßnahmen deutlich angezogen wurden; so waren die Hotels angewiesen, die Daten aller Gäste incl. Kinder aufzunehmen und auch die Gültigkeit der Visa zu überprüfen. Wenn man nachts um eins im Hotel eincheckt und das dumpfe Personal mit den vorgelegten Reisedokumenten nicht richtig zurechkommt, kann das Nerven kosten. Erinnerungen an die Kontrollorgane der DDR wurden schnell wachgerüttelt – neue bürokratische Vorgänge einzuführen und zu befolgen, ist ein beliebter Sport hier, der gerne ausgeübt wird.
Mit Impressionen eines tollen, Aktivurlaubs und einer sich rapide verändernden Stadt im Rucksack ging es erstmal wieder in den Luftkurort Changchun zurück.
to be continued
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Hallo Ihr vier,
danke für den schönen und ausführlichen Bericht. Das sind doch unvergessliche Eindrücke, sehr schön geschrieben. Man wird schon ein bischen neidisch...
Hallo Klaus,
ich nehme mit Freude zur Kenntnis, dass Du dir die Finger wund schreibst. Dafür bekommst Du demnächst ein Fleißkärtchen, ganz so wie früher in der Schule!! Liebe GRüße an Euch 4
Uli




































































































